Die Planung einer Hochzeit kann auch emotional werden – die Reichweite der Gefühle pendelt dann in nur einer Sekunde vom höchsten Punkt des Glücks bis in die tiefste Verzweiflung und dann wieder zurück. Wie bewältigt man diese Phase und bewährt ein gesundes Gleichgewicht zwischen zeitweiligen Angstgefühlen einerseits und dem Springen vor Freude andererseits? Lesen Sie diese inspirierende Hochzeitsgeschichte.

Dies ist keine gewöhnliche Hochzeitsgeschichte, die Sie schon hundertmal gehört haben. Anstatt eine Hochzeitsagentur zu beauftragen oder alle Aufgaben auf die Schultern der Trauzeugen zu verschieben, beschlossen Madara und Aivars, alles selbst zu organisieren. „Wir wollten, dass auch unsere Lieben Spaß haben. Wir haben zahlreiche Geschichten gehört, das eine Hochzeit für die Familie manchmal vielmehr wie ein stressiger Marathon als eine Feier voller Liebe und Freude vorkommen kann, egal wie sorgfältig man sie im Voraus vorbereitet“, gesteht Madara.

DER INNERE KOMPASS

„Die Hochzeit sollte eine Widerspiegelung des Paares sein. Zwei Menschen, zwei verschiedene Persönlichkeiten verbinden ihre Leben als eine Familie zusammen. Diese Widerspiegelung sollte das Hauptkonzept dieses wunderschönen Ereignisses sein.

Ich lege großen Wert auf Gefühle und sinnliche Empfindungen. Als ich durch die Gegend fuhr und mir verschiedene Gästehäuser anschaute, verstand ich, dass diese Orte für eine eintägige Feier geeignet sind. Aber ich wollte am nächsten Morgen eben nicht dieses Gefühl haben, dass die Hälfte der Gäste bereits gegangen sind und die andere Hälfte gerade dabei sind abzureisen... Dass man nun alle Dekorationen wegwerfen und Essensreste einpacken muss, die sowieso niemand essen wird.

Um das sehr besondere Gefühl und die besonderen Emotionen für länger zu bewahren, haben wir uns entschieden, eine Terrasse in unserem Garten zu bauen. Unser Haus ist von einem Wald, von Kiefern, die im Hof wachsen, umgeben. So schien dies der perfekte Ort zu sein.

Es ist traurig zu sehen, wie Blumen verwelken, deswegen haben wir unsere Gäste gebeten, uns nur Topfblumen zu schenken. Außerdem haben wir beschlossen, den Ort mit Topfpflanzen aus dem Garten meiner Schwiegermutter zu schmücken. Sie hat einen „grünen Daumen“ – bei ihr grünt und blüht alles üppig.“

DIE OUTFITS

"Unsere Persönlichkeit und unser Lebensstil bestimmen auch unsere Outfits. Mein Mann trägt normalerweise Sakkos und Anzüge. So kennen ihn täglich ich sowie jeder andere. Deswegen, als wir zur Anprobe gingen, kamen uns selbst die raffiniertesten Anzüge ganz alltäglich vor. Deshalb haben wir uns für etwas Originelleres– einen karierten, legeren Anzug – entschieden, weil er in seinem Schrank nichts Ähnliches hatte.

Zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass auch mein Kleid nicht zu alltäglich sein darf. Als ich verschiedene Kleider anprobierte – klassische, leichte, mit Spitzen und viele andere –, sah ich wie auf dem Titelblatt einer Zeitschrift (schön für eine Fotosession, aber nicht für meine Hochzeit) oder wie ein Geburtstagskind (zu offensichtlich auffällig oder „schon mal gesehen“) aus. Keines gab mir das Gefühl, dass das ich bin. Ich warnte meinen Mann, dass ich hellere Farben für mein Kleid wählen könnte. Er war zunächst skeptisch, aber er wusste schon, mit wem er da heiratete, sodass er meiner Wahl vertraute – dass ich immer noch wie eine Braut aussehen werde.“

GLÜCK UND TRAUER

„Vor der Feier haben unsere Familien alles zusammen aufgebaut, vorbereitet, dekoriert. Diese Unterstützung funktionierte haargenau wie unsere Event-Agentur: Obwohl wir versucht haben, alles nach Aufgaben und Zeit einzuplanen, hat es nicht ganz gut funktioniert und all die kleinen Details, die auf die letzte Minute verschoben wurden, wuchsen in einen Haufen von Aufgaben an, die wir kaum noch bewältigen konnten. Wie es sich aber herausstellte, kann man alles überwinden, wenn man nur das schöne Ziel im Auge behält.

Ein paar Tage vor der Hochzeit hat sich der Gesundheitszustand meiner Großmutter kritisch verschlechtert. Er war stabil am Tag der Hochzeit, aber kurz danach wurde sie unser Schutzengel. Am Tag der Hochzeit habe ich all die harten Realitäten des Lebens mit meinem Vater besprochen, der mich an den Altar begleitete. Diese Erfahrung beeinflusste uns alle und lies uns erkennen, dass das größte Glück manchmal Hand in Hand mit der bittersten Trauer geht.“

PRAKTISCHE TIPPS VON MADARA

Menschen neigen zu denken, dass es günstiger ist, wenn man alles selber macht. Das ist aber nicht so. Das Vorbereiten des Hofes für die Feier und der Aufbau der Terrasse waren letztendlich mindestens zwei Mal teurer, als wenn wir ein Gästehaus gebucht oder ein Festzelt gebucht hätten. Das muss Ihnen bewusst sein, dass, wenn Sie keine Agentur buchen, Sie mit Ihrer Zeit und Ihren Nerven zahlen.

Unsere Familien haben uns unterstützt, wir haben alles geplant, und unser Konzept war stark und klar. Es basierte auf unserem Wissen, unseren Erfahrungen und praktischen Kenntnissen – wo man am besten drucken kann, wie man ein Design entwirft, wo man Stühle bestellt und wie man alles aufbaut. Wenn eines dieser Elemente fehlt, würde ich dazu raten, jemanden zu beauftragen, der es für Sie tun kann, sonst kann sich die Vorbereitung für die Feier in einen Albtraum verwandeln.

Die Hochzeit ist jetzt ein Jahr her, und wenn wir auf sie zurückschauen, sehen wir, dass wir nichts ändern würden. Ich glaube, dass es bedeutet, dass alles in perfekter Harmonie abgelaufen ist. Jedes Paar hat eine eigene Vision – stellen Sie nur sicher, dass Sie ihr folgen. Um sich vor einer Enttäuschung zu schützen, halten Sie in Grenzen das, was Sie tatsächlich tun können oder vorhaben.

Photos: Linda Lauva.