VON LĪVA OLIŅA

Die Schönheit der lettischen Frauen ist weltweit bekannt, und der Anteil der lettischen Models in der Welt ist für ein Land mit weniger als 2 Millionen Einwohner auch recht beeindruckend. Sie könnte leicht von oben nach unten auf uns alle hinabschauen, stattdessen läuft sie mit uns in einem Schritt und reicht eine helfende Hand den jungen Mädchen auf ihrem Model-Camp und die andere – dem Rest von uns, und ermutigt: „Kommt, lasst uns losgehen und tun! Gemeinsam können wir weiterkommen und besser werden. Gemeinsam können wir uns um die Natur und um einander kümmern!“

Es sieht so aus, dass du trotz deines schnellen Lebensstils und Nonstop-Reisens es irgendwie schaffst, im Einklang mit der Natur zu leben.

Die Natur gibt uns allen das Beste, was wir in diesem Leben brauchen. Keine Chemikalien oder Technologien können es ersetzen. Nichts anderes kann uns das geben, was wir bekommen, wenn wir im Wald oder am Wasser sind. Ich fühle, wie sehr es mich auflädt, wenn ich nach Lettland komme und meine Mutter besuche, die am Fluss und Wald lebt. Es gibt dort eine Stille und Ruhe, die mich wieder aufladen. Es ist die beste Medizin in Momenten, wenn ich Null Energie übrighabe. Ich bin nach jedem Fashion-Monat und nach unzähligen Fashion-Shows nur zum Ausruhen und Aufladen stets heimgefahren. Früher habe ich aber noch nicht verstanden, warum ich das tat. Jetzt, zurückblickend, kann ich es ziemlich deutlich sehen.

Fühlst du einen Unterschied zwischen der Energie der lettischen und kalifornischen Natur?

Vielleicht. Ich spüre den Unterschied je nach dem, ob ich im Wald, am Wasser oder in Bergen bin. Jetzt, wo ich in Kalifornien lebe, habe ich wieder die Möglichkeit, in der Nähe der Natur zu sein, das hilft mir, den inneren Frieden zu finden. In LA mag ich sehr, in den Bergen zu wandern, und fühle, dass es mich anders wiederauflädt, als wenn ich beispielsweise am Wasser mit meinem Hund spaziere.

Was hat dich bewogen, natürliche Produkte
in deine Hautpflege einzuführen?

- Nach all den Shows und Shootings und vielen Stunden mit einer dicken Schicht von Make-up auf dem Gesicht begann ich Hautprobleme zu haben, die ich noch nie zuvor hatte. Nach einer kurzen Panik beschloss ich, mich durch das Lesen von Büchern und Informationen im Internet über die Pflanzen und ihre Vorteile für die Hautpflege zu bilden. Es war einer dieser Momente, die mir halfen, die Macht der Natur und die Tatsache zu begreifen, dass die Natur das Beste für uns ist, weil wir ein Teil der Natur sind. Ich entdeckte Kohle, Perlenpulver, Matcha-Tee, der 10-mal mehr Antioxidantien als grüner Tee hat… Mein Interesse wurde immer größer, bis eines Tages ich begann, meine eigenen Gesichtsmasken zu Hause von den Zutaten zubereiten, die ich im Internet bestellen konnte. Der Anfang war voller Experimente, und ein paar Fehler gab es natürlich auch, zum Beispiel, als ich Zimt zu einer der Gesichtsmasken hinzugefügt hatte... Mann, das brennte so sehr! Mein ganzes Gesicht war rot, und ich fühlte mich so dumm. Aber ich denke, man muss auch scheitern, um zu wissen, was funktioniert.

Und was sind deine Lieblingsrezepte für selbstgemachte Gesichtsmasken?

- Die einfachsten! Zum Beispiel Perlenpulver, gemischt mit Wasser. Wenn man möchte, kann man auch etwas ätherische Öle hinzufügen. Diese Maske wird die Haut aufhellen, beruhigen und die problematischen Bereiche heilen. Ich mag es, etwas Zitronenöl dazu zu geben. Perlenpulver kann man sehr gut auf unterschiedlichste Art und Weise einsetzen – ich benutze es auch innerlich. Eine andere Maske, die ich vor allem vor Sauna mag, ist reine Aloe. Man schneidet das Blatt in Stücke, nimmt all die guten Sachen heraus und trägt diese zusammen mit Honig oder allein auf. Das ist der beste Feuchtigkeitsspender.

Du sprichst viel von der Verschmutzung durch Einwegplastik und vom Umweltschutz. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

- Ich denke, das geschah einfach, nachdem ich sah, was alles auf der Welt gerade passiert… Kalifornien setzt tatsächlich ein gutes Beispiel durch das Verbot von Plastikstrohhalmen und dadurch etwa, dass man nicht gleich eine Karaffe mit Wasser serviert bekommt, sobald man das Restaurant betritt. Ziemlich oft trinken Leute das Wasser gar nicht, und selbst wenn es Leitungswasser ist, ist es vergeudetes Wasser, weil man es danach wegschütten muss. Jetzt muss man nach Wasser erstmals fragen, und ich finde es richtig. Ich freue mich, alle diese kleinen Dinge zu sehen, die gerade jetzt passieren und die Welt ändern. Es ist wichtig, über den Planeten, den wir bewohnen, und daran, was wir für die nächsten Generationen hinterlassen werden, zu denken. Oft sagen wir uns – es ist ja nur eine Sache, nur dieses eine Mal, nichts Schlimmes wird deswegen geschehen, es ist nur eine Plastikflasche; aber wenn wir alle so denken, wird sich niemals etwas ändern. Nein, wir alle müssen daran denken, und wir alle müssen uns ändern. Es können kleine Dinge sein, aber wir müssen mit etwas beginnen. Beginnt mit dem Verzicht auf Plastikstrohhalme, verwendet keine Einwegplastik – nehmt eure eigene Mittagsbox zur Arbeit oder Schule und verwendet es immer wieder. Kauft eine wiederverwendbare Trinkflasche und spart so hunderte, tausende von Plastikflaschen in den nächsten Jahren.

Hast du das Gefühl, dass sich die Modebranche auch ändert?

- Ja, langsam ändert sich alles. Ich sehe wirklich mit Freude, dass große Designer Nein zu Pelz sagen Pelz sagen. Ich denke, einer der letzten war Versace, und bereits das ist ein großer Erfolg! Ich habe nichts gegen den Pelz, den man von der Oma geerbt oder in einem Vintage-Laden gefunden hat, aber es ist nicht richtig, jetzt noch Tiere im Namen der Mode zu töten. Viele Designer sind auch auf der Suche nach alternativen und gesünderen Verfahren für das Färben der Kleidung. Zum Beispiel in Bezug auf Jeans, bei deren Färbeprozess in der Regel viel zu viel Wasser verbraucht wird. Ich sehe mit Freude, dass große Designer daran denken, denn sie setzen dadurch ein gutes Beispiel für den Rest der Modeindustrie. Auf den Shooting-Locations erscheinen nun Teller und Geschirr aus Holz oder sogar echtes Porzellan, das man abspülen und weiterverwenden kann. Das macht mich froh! Ich denke daran auch auf meinem Model-Camp. Im ersten Jahr sündigte ich, weil wir einzelne Plastikbecher an Wasserstationen verwendeten… Dieses Jahr bekamen jedes Mädchen, jeder Lehrer und jeder Gast eine wiederverwendbare Trinkflasche. Und sie gingen damit nach Hause und werden sie weiterhin noch viele Jahre nutzen.

Foto: Aiga Redmane

Fühlst du Verantwortung gegenüber deinen Followers auf Social Media, für die du ein Vorbild bist und deren Handlungen du in die eine oder andere Richtung inspirieren kannst?

Das lässt mich natürlich achtsamer sein. Ich habe viele junge weibliche Followerinnen, und das gibt mir eine gewisse Verantwortung, aber motiviert mich auch. Zum Beispiel, nachdem ich zusammen mit Myprint mein Design für eine Alu-Trinkflasche startete, erhielt ich viele Briefe. Mädchen schrieben mir, um zu sagen, dass sie dadurch an die Verwendung der Einwegplastik in ihrem täglichen Leben wirklich zu achten begannen und sich überlegten, wie sie den Verbrauch reduzieren können. Deswegen – ja, ich fühle die Verantwortung, ein gutes Beispiel zu sein, aber, wie ich bereits sagte, werde ich dadurch motiviert, auch mich zu ändern. Wir sollten alle gemeinsam wachsen und uns ändern!