Verfasserin: Aiga Leitholde | 5 Minuten Lesezeit

Seit der Morgendämmerung der Menschheit wurde dekorative Kosmetik in verschiedenen Kulturen für Zeremonien, Feste und im Alltag verwendet, und diese Geschichte lebt heute in unseren Make-up-Taschen weiter. Gemeinsam mit Modedesign-Expertinnen und Experten der Lettischen Kunstakademie werfen wir einen Blick in die Geschichte, wie sich Make-up von seinen Anfängen bis heute entwickelt hat.

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Traum von ewiger Jugend

Ton in verschiedenen Farben, Eiweiß, Holzkohle, Bienenwachs, Beeren und Pulver aus gemahlenen Pflanzen – all das würdet ihr in den ersten Make-up-Taschen finden! Außerdem – auch verschiedene, manchmal sehr schädliche Mineralien, Bodeninsekten und tierische Fette. Manchmal bescherten diese Kosmetikrezepturen tatsächlich eine ewige Schönheit – wenn auch nicht im physischen Sinne, sondern in Form von Legenden, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben und bis in die Neuzeit tradiert wurden.

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Von den allerersten Anfängen an verwendete man dekorative Kosmetik, um jugendliche Züge zu verleihen – durch Akzentuierung der Lippen oder Augenbrauen wurde ein gesünderes und sexuell attraktiveres Erscheinungsbild geschaffen.

Durch das Auftragen von dunklerem Augen-Make-up wird der Hautton insgesamt heller – so entsteht ein jugendlicheres Bild, während die stärker betonten Details mehr Respekt einflößen. Die alten Ägypter liebten es, sich schön zu machen – sie gewannen Make-up aus natürlichen Mineralien und achteten zugleich auf die persönliche Hygiene, schützten ihre Haut vor UV-Strahlen, vorzeitiger Alterung, „bösem Auge“ und anderen „Dämonen“. In den Gräbern der alten Ägypter finden sich viele Kosmetikgegenstände, da man glaubte, dass die Verstorbenen so Einiges brauchten, um sich auch nach dem Tod um ihr Aussehen ordentlich kümmern zu können; und so wurden zahlreiche Funde für die modernen Menschen zurückgelassen. Das Alte Ägypten schenkte der modernen Welt zwei Schönheitsikonen – die Königin Kleopatra und Nofretete, die Frau des Pharao Echnaton. Sie haben Diven wie die Schauspielerin Elizabeth Taylor, die Sängerin Rihanna und viele mehr inspiriert.

Wunderschön, sauber und schrecklich

Auch die alten nordischen und skandinavischen Völker verwendeten Make-up zum Schutz und zur Demonstration ihrer sozialen Stellung, obwohl diese Erkenntnisse eher auf schriftlichen Quellen über die Bräuche der nordischen Völker und auf Artefakten, die in archäologischen Ausgrabungsstätten gefunden wurden, und weniger auf visuelle Beispiele beruhen, mit denen uns die Kulturen des alten Nahen Ostens verwöhnt haben. Die Chroniken erwähnen, dass die Wikinger ihre Gesichtszüge mit Holzkohle betonten, ihre Augen verdunkelten, um sie wie tiefe Gruben wirken zu lassen und so ihren Feinden Angst einzujagen.

Wikinger waren vorbildlich, wenn es um ihre persönliche Hygiene ging!

Sie verwendeten Produkte, die aus tierischen Rohstoffen gefertigt waren. Wie auf der Website des Dänischen Nationalmuseums zu sehen ist, enthalten Funde aus den Ausgrabungen der Wikingerzeit Gegenstände wie Kämme und Pinzetten, was die verbreitete Annahme, dass die Menschen ihre Körperhaare damals pflegten, bestätigt.

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Dunkle Augen und lange Wimpern

Im alten Griechenland wurde Make-up von Priestern und Priesterinnen verwendet – sie färbten ihre Ohren rot und markierten ihre Wangen mit roten Punkten. Kosmetik war Teil der Alltagsroutine, denn ein schöner Körper signalisierte, dass er auch einen schönen Geist hatte. Besonderes Augenmerk wurde auf dunkle Augen und dicke, in einer Linie verbundene Augenbrauen gelegt.

Ein ziemliches Paradox – trotz des sonnigen Klimas betrachteten die alten Griechen die helle Haut als ein Zeichen von Reichtum und höherer Würde.

Helena von Troja verkörperte den Schönheitsstandard.
„Das Wort „Kosmetologe“ stammt aus dem Alltag im antiken Rom, als die wohlhabenden Frauen von ihren weiblichen Sklaven – Kosmetologinnen (cosmetae) – bei Verschönerungsritualen unterstützt wurden. Lange, dicke und gewellte Wimpern gehörten zum Schönheitsideal in Rom. Die Frauen verwendeten Holzkohle und verkohlten Kork, um ihre Wimpern schwarz zu färben“, erzählt uns Edīte Parute, Modehistorikerin an der Lettischen Kunstakademie, wenn wir nach Merkmalen fragen, die für das antike Rom charakteristisch waren.

„Maske der Jugend“

Elizabeth I., die Königin von England, wurde in der Spätrenaissance zu einer Trendikone in Sachen Make-up. Ihr mit Bleiweiß bedecktes Gesicht bildete einen starken Kontrast zu ihren scharlachroten Lippen, die Frisur erinnerte an eine Mondgöttin, das Kostüm war großzügig mit Edelsteinen geschmückt. Der Künstler Nicholas Hilliard malte die Porträts der Königin.

Betrachtet man die Porträts, erweckt die „Maske der Jugend“, die Königin Elisabeth I. trägt, mit der perfekten, weißen Gesichtshaut die Illusion der ewigen Jugend. Historikerinnen und Historiker an der Universität von Oxford sind der Ansicht, dass dieses Image Elizabeth geholfen hat, den Kult ihrer Persönlichkeit aufrechtzuerhalten und damit ihre Machtposition zu bewahren.

Die „Maske der Jugend“ der Königin bestand aus einer Mischung aus Bleiweiß und Essig, die sie allmählich vergifteten. “Damals glaubten Menschen, dass die Verwendung von Lippenstift und Make-up in der Regel den Tod verzögert. Vielleicht ist das der Grund, warum die Hofdamen von Elisabeth ihr Make-up auch nach ihrem Tod weiterhin angewendet haben. Später, im 18. Jahrhundert, änderte sich die Haltung in England zur Verwendung von dekorativer Kosmetik und wurde ablehnend.

1770 verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz, das festlegte, dass eine Ehe annulliert werden kann, wenn sich herausstellt, dass die Frau vor der Ehe dekorative Kosmetik verwendet hat. Nur Prostituierte benutzten Make-up. Gleichzeitig hatten die Menschen in Frankreich eine vollkommen entgegengesetzte Haltung”,

berichtet Edīte Parute.

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„Mouche“ – das Schönheitspflästerchen

Künstliche Schönheitspflästerchen bzw. Mouches stammen aus dem alten China und wurden im 16.–18. Jahrhundert sehr beliebt in Westeuropa, insbesondere fanden sie ihren Einzug in den Alltag des französischen Königshauses. Jede „Mouche“ signalisierte einen sozialen Code und trug so zur nonverbalen Kommunikation zwischen den Frauen und Männern auf königlichen Bällen bei. Zum Beispiel, eine Mouche in der Nähe des Auges stand für eine leidenschaftliche Natur, wenn über der Lippe platziert, deutete sie Koketterie an.

Wenn ein Höfling übermäßig viele Mouches platziert hätte, würde man dies als ein Zeichen der Verzweiflung wahrnehmen, hingegen würden zu wenige Mouches die Person altmodisch und langweilig aussehen lassen.

Heute kennen wir Mouches von Schauspielerinnen Clara Bow, Marilyn Monroe und dem Model Cindy Crawford. Social Media-Seiten bieten Foto- und Videofilter an, die es jeder und jedem ermöglichen, eine solche Mouche auf das Gesicht zu platzieren.

Danke, Stummfilm!

Der Stummfilm als ein Kind der Belle Époque ließ den Gebrauch von Make-up wieder aufleben. Es musste eine wichtige Aufgabe erfüllen: Bezüglich des Aussehens der Schauspieler musste zwischen der schrillen Beleuchtung am Drehort und der intendierten Wirkung auf das Publikum ein Kompromiss gefunden werden. Das Ergebnis war oft komisch, aber – ohne Fleiß kein Preis.

Das frühe Kino war eine großartige Gelegenheit zum Experimentieren und erweiterte die Ideen verschiedener visueller Darstellungen.

Neben dem Kino entwickelte sich immer schneller auch die Kosmetikindustrie. So wurde beispielsweise die scharlachrote Farbe des Lippenstifts speziell für den Schwarz-Weiß-Film kreiert. 1933 ist das Jahr, in dem der Begriff „Mascara“ geprägt wurde. Die 1930-er kamen im Kino mit einem exquisiten Make-up-Stil und neuen Schönheitsikonen wie Schauspielerin Marlene Dietrich und Schauspieler Clark Gable an.

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Exzentrische Bilder und Gleichstellung in Subkulturen

Make-up ist eng mit den Subkulturen des 20. Jahrhunderts verbunden, als sehr auffälliges Make-up ein fester Teil der künstlerischen Shows und ein Mittel zum Ausdruck der Individualität wurde. Ikonen der Rockmusik – wie David Bowie, Alice Cooper und die Band „Kiss“ – konnten ihre Ideen und Bühnenpersönlichkeiten durch das Auftragen vom aussagekräftigen Make-up besser zum Leben erwecken. Ein dunkler Eyeliner wurde vom King of Rock’n’Roll, Elvis Presley, täglich benutzt. Make-up in Subkulturen bedeutete Selbstausdruck, und war auch eine Form der Rebellion gegen alles, was als normal angesehen wurde. Vertreter der Subkulturen wurden von ästhetischen historischen Beispielen inspiriert – eine einzigartig eklektische Mischung kann sowohl aus dem Make-up eines heidnischen Kriegers als auch aus einem exquisiten königlichen Make-up bestehen.

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Diese Vertreter der Subkulturen waren die ersten, die die Vorstellungen von dem, was wir als weiblich und männlich wahrnehmen, erweiterten.

Heutzutage sind auch die unterschiedlichsten Sportfans große Make-up-Konsumenten, die ihre Solidarität mit dem Team zeigen und die Stimmung mit Hilfe von Make-up aufheitern.

Durch das ganze 20. Jahrhundert hindurch änderten sich die Trends der Kosmetikindustrie jedes Jahrzehnt. „Im Laufe der Jahrhunderte ist der Gebrauch von Make-up und Kosmetik stets auf geschlechtsspezifische Stereotypen gestoßen. Aktuell tritt der Unisex-Trend nicht nur in der Mode (Bekleidung), sondern auch im Kosmetik- und Make-up-Bereich deutlich und sichtbar hervor. Einer der zeitgemäßen Wendepunkte in der Unisex-Mode und Make-up war der Duft „CK One“, der 1994 für Calvin Klein kreiert wurde. Der globale Unisex-Trend in der Kosmetik zeigt sich in der Kosmetik erst seit 2017, denn um diese Zeit herum begannen viele Kosmetikmarken in ihrer Marketingkommunikation die Botschaft zu betonten, dass die von ihnen hergestellten Produkte nicht nur für ein bestimmtes Geschlecht, sondern für Menschen gedacht sind.

Also brauchte der Mensch einige Jahrhunderte, um wieder zur Haltung zu gelangen, die bereits 3000 v. Chr. weit und breit akzeptiert wurde. Es ist an der Zeit, die kulturellen Normen in einem breiteren Sinne zu ändern, damit Schönheit, Selbstausdruck und Wohlbefinden für alle zugänglich sind“,

sagt Agnese Narņicka, die Gründerin der Modemarke „One Wolf“ und Leiterin der Fakultät für Design an der Lettischen Kunstakademie.